EU-Alkoholstrategie: EP verwässert Kampf gegen alkoholbedingte Schäden
Es ist eine herbe Enttäuschung, dass das Europaparlament einen Rückzieher gemacht und seine Forderungen zur EU-Alkoholstrategie verwässert hat. Entgegen dem Votum des EP-Gesundheitsausschusses hat sich die Mehrheit der Abgeordneten dem Druck der Alkohol-Lobby gebeugt und sich gegen Warnhinweise auf EU-Ebene ausgesprochen. Lediglich eine Studie dazu wird nun gefordert. Europaweite Warnhinweise oder klare Werbeschränkungen sind damit in weite Ferne gerückt. Dieser Kniefall vor der Alkohollobby sendet ein falsches Signal für die Bekämpfung alkoholbedingter Schäden in ganz Europa.
Warnhinweise auf Alkoholika sind keine Gängelei der Verbraucher, sondern ein essentieller Bestandteil transparenter Verbraucherschutzpolitik. Verbraucher haben das Recht, über alle Konsumprodukte und mögliche Schäden informiert zu sein. Die horrenden Zahlen zu Schäden durch Alkohol in der Schwangerschaft durch Fehlgeburten, Missbildungen oder fötales Alkoholsyndrom sind Grund genug für ein aktives Vorgehen auf EU-Ebene. Mehrere EU-Mitgliedsstaaten haben bereits Warnhinweise auf den Weg gebracht, sogar das Weinland Frankreich, wo ab Oktober 2007 alle Flaschen entsprechend gekennzeichnet sein müssen. Erfahrungen aus den USA - wo Warnhinweise schon länger Standard sind - zeigen, dass Warnungen für Schwangere ihre Wirkung nicht verfehlen. Angesichts dieser Vorreiterpolitik der EU-Mitgliedsstaaten ist es enttäuschend, dass das Europaparlament den Interessen der Alkohollobby Vorrang gibt vor Verbraucherschutz.
Schädlicher Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit sind eine erhebliche Belastung für die Betroffenen selbst, ihre Familien und für die Wirtschafts- und Gesundheitssysteme in Europa. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen jährlich 125 Mrd. € für die Schadensregulierung von schädlichem Alkoholkonsum aufbringen. Fast 200.000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen des gefährlichen Alkoholkonsums. Die Forderungen des Europaparlaments durch strenge Regeln für Alkopops und klare 0,0 Promillegrenzen für Fahranfänger und Berufsfahrer den Schäden durch Alkoholmissbrauch den Hahn abzudrehen sind zu begrüßen. Jedoch hat die EU-Alkoholstrategie durch das Votum des Europaparlaments keine Schlagkraft gewonnen.



