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to BEE or not to BE For a GMO-free Europe
31.08.2007

Artikel von Hiltrud Breyer in AKP 5/2007 

Europa als Leuchtturm beim Schutz vor giftigen Pestiziden

In Brüssel beginnt die heiße Phase einer der wichtigsten umwelt- und verbraucherschutzpolitischen Initiativen der Legislatur. Mit dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen Pestizid-Paket sollen bestehende Gesetzeslücken geschlossen und damit der gesamte Pestizid-Lebenszyklus europaweit geregelt werden, von der Zulassung über die Anwendung bis zur Überwachung von Rückständen. Vermutlich wird es Ende 2008, bis das Paket fertig geschnürt ist.

In den Dörfen sind die Menschen unmittelbar betroffen, wenn auf dem Acker oder im Weinberg Pestizide versprüht werden. Bisher müssen sie nicht informiert werden, wann und was gesprüht wird - ein Armutszeugnis! Als VerbraucherInnen in Stadt und Land sind sie besorgt über Rückstände in Weintrauben oder Paprika. Das viel gepriesene frische Obst und Gemüse entpuppt sich als Giftfalle für Kinder: der in der EU-Richtlinie 2006/215/EG festgesetzte Pestizid-Grenzwert wird bis zu 200-fach überschritten. Greenpeace stellte fest, dass schon vier belastete Weintrauben bei Kindern zu Gesundheitsgefahren wie Durchfall und Erbrechen führen.

Es ist High Noon, gefährliche Pestizide und Giftcocktails zu verbannen. Dies sind PBT-Stoffe (langlebig und giftig reichern sie sich in Umwelt und Lebewesen an) und die krebserregenden, erbgutverändernden und fortpflanzungsschädigenden CMR-Stoffe. Auch Pestiziden mit hormoneller, neuro- und immunotoxischer Wirkung sollte die Rote Karte gezeigt werden. Der Umweltwissenschaftler Prof. Philippe Grandjean hat kürzlich in einer Aufsehen erregenden Publikation 202 Chemikalien identifiziert - darunter 90 Pestizide - die Gift sind für das Nervensystem und deutlich den Intelligenzquotient senken. Eine stille Pandemie ist im Anmarsch: in den USA hat schon jedes sechste Kind Entwicklungsstörungen. Das Gehirn ist aber nicht ersetzbar!

Mit lückenhaften Informationen von Industrie und Behörden soll in Zukunft Schluss sein: Mein Berichtsentwurf für den EP-Umweltausschuss sieht vor, dass Listen zugelassener Pestizide, Rückstandsbefunde und (öko-)toxikologische Daten im Internet verfügbar sind. Kommunen können schon jetzt mit gutem Beispiel vorangehen und Melde- und Informationssysteme auf den Weg bringen, die die Menschen vor dem Sprühen benachrichtigen. Ein Pestizid-Pass für den Groß- und Einzelhandel soll auflisten, was wo auf das Obst und Gemüse gesprüht wurde (Rückverfolgbarkeit). Auch die kommunale Ebene könnte auf Groß- und Lebensmittelhändler Einfluss nehmen, pestizidfreie Ware zu führen. Kommunale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten sollten auf pestizidfreie Lebensmittel umsteigen. Schließlich machen öffentliche Aktionen wie Kochen mit Bio-Gemüse Werbung für pestizidfreies Essen.

Die Menschen in Europa wollen kein Gift im Essen und der Umwelt. Ich hoffe auf die Unterstützung von Europaparlament, EU-Kommission, den EU-Mitgliedsstaaten und den Menschen vor Ort, um dem Umwelt- und Verbraucherschutz neue Sternstunden zu bereiten.

Ab Mitte Oktober ist Kampagnenmaterial für Aktionen vor Ort abrufbar unter www.hiltrud-breyer.eu

Hiltrud Breyer ist Abgeordnete für Bündnis 90 / Die Grünen im Europaparlament und Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie im Frauenausschuss und stellvertretendes Mitglied im Rechtsausschuss.